Worum es hier geht
Seit dem 1. Januar 2026 gilt in Deutschland ein neuer Wehrdienst. Wenn du 2008 oder später geboren bist, kommt Post. Hier steht in klarer Sprache, was dann passiert — und was du davon hast.
Die Nachrichten reden über Wehrpflicht, Losverfahren und Sicherheitslage. Dich interessiert wahrscheinlich etwas anderes: Muss ich das? Was passiert bei der Musterung? Was verdiene ich? Und was, wenn es mir nicht gefällt? Genau diese Fragen beantwortet dieses Handbuch — kein Werbeprospekt, keine Abschreckung. Wir betreiben einen kostenlosen Besoldungsrechner für Soldatinnen und Soldaten und rechnen den ganzen Tag mit den Zahlen, um die es hier geht.
Das Wichtigste vorweg
Der Dienst ist freiwillig. Verpflichtend sind für Männer ab Jahrgang 2008 nur zwei Dinge: den Fragebogen ausfüllen und — ab Juli 2027 — zur Musterung erscheinen. Niemand muss deshalb dienen. Wer nicht will, sagt nach der Musterung schlicht Nein.
Was sich 2026 geändert hat
Das Wehrdienst-Modernisierungsgesetz ist am 1. Januar 2026 in Kraft getreten. Es ist keine Rückkehr zur Wehrpflicht — aber es ist auch nicht nichts.
Drei Dinge sind neu
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Die Wehrerfassung kommt zurück
Der Staat fragt wieder systematisch ab, wer grundsätzlich für den Dienst infrage käme. Alle jungen Männer ab Jahrgang 2008 bekommen mit 18 einen Fragebogen. Ihn zu beantworten ist Pflicht.
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Die Musterung wird verpflichtend
Ab dem 1. Juli 2027 müssen Männer des Jahrgangs 2008 zur Musterung erscheinen — unabhängig davon, ob sie dienen wollen. Auch wer den Kriegsdienst verweigert, muss zur Musterung.
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Der Dienst wird deutlich attraktiver bezahlt
Statt des früheren Taschengeld-Wehrsolds gibt es jetzt einen monatlichen Betrag ab rund 2.600 Euro brutto — bei freier Unterkunft und ohne Sozialversicherungsbeiträge. Dazu Zuschüsse, die es vorher nicht gab.
Was ausdrücklich nicht gilt
Es gibt keine allgemeine Wehrpflicht. Niemand wird eingezogen. Der Dienst selbst bleibt in vollem Umfang freiwillig — Fragebogen und Musterung sind Erfassungsschritte, keine Einberufung.
Das Wort „Bedarfswehrpflicht“ — was dahintersteckt
Im Gesetz steht ein Notfallmechanismus. Wenn sich zu wenige freiwillig melden und die Sicherheitslage es erfordert, könnte eine Dienstpflicht aktiviert werden. Das passiert aber nicht automatisch: Dafür braucht es eine eigene Entscheidung, der der Bundestag zustimmen muss. Solange das nicht geschieht, ändert der Mechanismus für dich nichts.
Warum das alles gerade jetzt
Die Bundeswehr will bis 2035 auf rund 460.000 Menschen kommen: etwa 260.000 im aktiven Dienst und mindestens 200.000 in der Reserve. Heute liegt sie deutlich darunter. Der neue Wehrdienst ist der Versuch, diese Lücke über Freiwillige zu schließen — mit besserer Bezahlung, kurzen Verpflichtungszeiten und Einsatzorten nahe am Wohnort statt Auslandseinsätzen.
Für wen gilt was
| Wer | Fragebogen | Musterung | Dienst |
|---|---|---|---|
| Männer, Jahrgang 2008 und jünger | Pflicht | Pflicht ab 01.07.2027 | freiwillig |
| Frauen | freiwillig | freiwillig | freiwillig |
| Männer, Jahrgang 2007 und älter | — | freiwillig | freiwillig |
| Kriegsdienstverweigerer | Pflicht | Pflicht | entfällt |
| Menschen mit Schwerbehinderung | Pflicht | befreit | freiwillig möglich |
Drei verbreitete Missverständnisse
„Wenn ich den Fragebogen ausfülle, bin ich drin.“
Nein. Der Fragebogen ist eine Erfassung, keine Bewerbung und erst recht keine Einberufung. Selbst wer „Interesse“ ankreuzt und die Musterung besteht, entscheidet danach frei — und kann jederzeit absagen. Verbindlich wird es erst mit deiner Unterschrift unter eine Verpflichtungserklärung.
„Die Wehrpflicht ist doch wieder da.“
Auch nein. Wehrerfassung und Musterung sind wieder Pflicht, der Dienst ist es nicht. Der Unterschied ist keine Wortklauberei: Bei der Wehrpflicht bekommst du einen Einberufungsbescheid und musst antreten. Beim neuen Wehrdienst bekommst du eine Einladung zur Beratung und sagst Ja oder Nein.
„Ich werde nach Afghanistan geschickt.“
Der neue Wehrdienst ist ausdrücklich auf Heimatschutz ausgerichtet: Wach- und Sicherungsaufgaben, Objektschutz, Unterstützung bei Krisen und Katastrophen — überwiegend im Inland und oft in der eigenen Region. Zu einem Auslandseinsatz kann in den ersten zwölf Dienstmonaten niemand gegen seinen Willen herangezogen werden.
Der Fragebogen
Er kommt per Post, wird online ausgefüllt und dauert etwa eine Viertelstunde. Für Männer ab Jahrgang 2008 ist er Pflicht.
Wie er zu dir kommt
Die Meldeämter melden deine Adresse an die Bundeswehr. Nach deinem 18. Geburtstag bekommst du einen Brief mit einem QR-Code und einem Zugangscode. Damit gelangst du auf das Portal deinwehrdienst.de und beantwortest die Fragen am Handy, Tablet oder Rechner. Am Ende erhältst du eine digitale Bestätigung — speichere sie.
Was gefragt wird
Rund ein Dutzend Fragen, überwiegend Ankreuzen. Im Kern geht es um:
- Persönliche Angaben: Name, Geburtsdatum, Staatsangehörigkeit, Familienstand
- Körpergröße und Gewicht
- Ob eine Schwerbehinderung vorliegt
- Schulabschluss und aktuelle Ausbildung oder Tätigkeit
- Selbsteinschätzung deiner körperlichen Fitness
- Ob du grundsätzlich Interesse am Wehrdienst hast — und woran genau
- Ob du bereits in einer ausländischen Armee gedient hast
Interesse ankreuzen ist keine Zusage
Wer „ja, grundsätzlich interessiert“ anklickt, wird zur Musterung eingeladen und kann sich beraten lassen. Das verpflichtet zu nichts. Du kannst danach jederzeit abwinken — auch noch nach bestandener Musterung. Umgekehrt gilt: Wer „nein“ ankreuzt, kann sich später trotzdem melden.
Fristen und was passiert, wenn du nichts tust
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Tag 0
Brief im Kasten
Mit QR-Code und Zugangscode. Ab hier läuft die Frist.
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Innerhalb 1 Monat
Online ausfüllen und absenden
Rund 15 Minuten. Danach kommt die digitale Bestätigung.
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Nach Fristablauf
Erinnerung per Einschreiben
Mit neuen Zugangsdaten. Die ursprüngliche Frist gilt weiter — die Mahnung verlängert sie nicht.
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Weiter nichts
Ordnungswidrigkeit
Wer nicht antwortet oder falsche Angaben macht, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Es droht ein Bußgeld.
Brief verloren? Kein Grund zur Panik — aber handle
Melde dich aktiv bei der Hotline oder per E-Mail, statt auf die Mahnung zu warten. Die Frist läuft nämlich weiter, auch wenn der Brief im Umzugskarton liegt. Kontaktdaten stehen weiter unten.
Drei Dinge, die du besser richtig machst
- Wahrheitsgemäß antworten. Falschangaben sind derselbe Tatbestand wie gar keine Antwort — und fallen spätestens bei der ärztlichen Untersuchung auf.
- Bestätigung sichern. Screenshot oder PDF, dazu das Datum. Falls doch eine Mahnung kommt, hast du den Nachweis.
- Adresse aktuell halten. Wer zum Studium umzieht und sich nicht ummeldet, bekommt Post an die alte Anschrift — die Frist läuft trotzdem.
Die Musterung
Ein Tag, drei Stationen, am Ende weißt du, ob du körperlich geeignet bist. Für Jahrgang 2008 wird sie ab dem 1. Juli 2027 verpflichtend.
Wo und wie lange
Die Musterung findet in einem Musterungszentrum oder Karrierecenter der Bundeswehr statt und dauert in der Regel einen Tag. Wenn die Anreise weit ist, wird eine Übernachtung gestellt. Fahrtkosten werden erstattet.
Der Ablauf
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Voruntersuchung
Körpergröße und Gewicht, Sehtest, Hörtest, Blutentnahme und Urinprobe. Die Urinprobe umfasst ein Drogenscreening — das ist Routine und keine Schikane.
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Ärztliche Hauptuntersuchung
Gespräch über deine Krankengeschichte, dann eine körperliche Untersuchung von Kopf bis Fuß: Blutdruck und Puls, Lunge und Herz, Wirbelsäule, Gelenke, Beweglichkeit. Beurteilt wird vor allem deine allgemeine körperliche Belastbarkeit.
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Abschlussgespräch
Du bekommst das Ergebnis am selben Tag. Wer dienen möchte, spricht hier auch über Dienstdauer, Teilstreitkraft und Wunschstandort.
Wer sich für eine längere Verpflichtung oder eine Offizier- oder Unteroffizierlaufbahn interessiert, durchläuft zusätzlich ein Assessment mit computergestützten Tests zu logischem Denken, Konzentration und räumlichem Vorstellungsvermögen sowie ein Gespräch mit einer Prüfkommission. Für Offizieranwärter kommt ein Sporttest dazu.
Das Ergebnis
| Ergebnis | Was das heißt |
|---|---|
| Verwendungsfähig | Du kannst dienen — je nach Befund uneingeschränkt oder mit Einschränkungen für bestimmte Verwendungen. |
| Vorübergehend nicht verwendungsfähig | Etwa nach einer Operation oder bei einer noch nicht ausgeheilten Verletzung. Erneute Begutachtung später möglich. |
| Dauerhaft nicht verwendungsfähig | Der Wehrdienst kommt nicht infrage. Damit ist das Thema für dich erledigt. |
Brille, Asthma, Allergien, Übergewicht — geht das?
Sehr oft ja. Eine Sehschwäche schließt nur wenige Verwendungen aus. Auch behandeltes Asthma, Heuschnupfen oder ein leicht erhöhter BMI führen nicht automatisch zum Ausschluss. Entschieden wird immer im Einzelfall und verwendungsbezogen — nicht pauschal. Verschweige nichts: Der Arzt braucht das vollständige Bild, und ein verschwiegener Befund fällt dir im Dienst auf die Füße.
Checkliste: das nimmst du mit
- Einladungsschreiben
- Personalausweis oder Reisepass
- Ausgefüllter Anamnesebogen
- Impfpass
- Allergiepass, falls vorhanden
- Brille oder Kontaktlinsen samt Werten
- Befunde zu Vorerkrankungen und Operationen
- Liste deiner Medikamente
- Hörgerät, Zahnspange-Unterlagen, Orthesen
- Bequeme Kleidung, Sportsachen
- Etwas zu trinken und einen Snack
- Etwas zu lesen für Wartezeiten
Drei Tipps von Leuten, die es hinter sich haben
- Vorabend früh ins Bett, morgens frühstücken. Blutdruck und Kreislaufwerte werden gemessen; ein durchgemachter Abend hilft dabei nicht.
- Am Tag davor ausreichend trinken. Erleichtert Blutentnahme und Urinprobe erheblich.
- Fragen aufschreiben. Das Abschlussgespräch ist deine beste Gelegenheit, Standort, Dauer und Verwendung zu klären. Ungefragt erzählt dir niemand alles.
Körperlich vorbereitet
Für die Musterung selbst musst du keinen Sporttest bestehen. Aber spätestens in der Grundausbildung steht der Basis-Fitness-Test an — und den legt jede Soldatin und jeder Soldat einmal im Jahr ab.
Der Basis-Fitness-Test besteht aus drei Übungen
| Übung | Was gemessen wird | Mindestleistung |
|---|---|---|
| Pendellauf 11 × 10 Meter, Sprint mit Richtungswechseln | Schnelligkeit, Antritt, Wendigkeit | max. 60 s |
| Klimmhang Kinn über der Stange halten | Kraft in Armen, Rücken, Rumpf | min. 5 s |
| 1.000-Meter-Lauf Fahrradergometer als Alternative | Grundlagenausdauer | max. 6:30 min |
Der gesamte Test wird innerhalb von 90 Minuten abgenommen. Es gibt ein Punktesystem: Die Mindestleistung bringt jeweils 100 Punkte, deutlich bessere Werte bis zu 400. Wer nicht besteht oder abbricht, darf nach sechs Wochen erneut antreten.
Ehrlich eingeordnet
Die Mindestwerte sind für einen durchschnittlich gesunden 18-Jährigen gut machbar. Der 1.000-Meter-Lauf in 6:30 entspricht einem Tempo von etwa 6:30 min/km — das ist zügiges Joggen, kein Wettkampf. Der Klimmhang ist für viele die unangenehmste Übung, weil Griffkraft im Alltag kaum trainiert wird.
Acht Wochen Vorbereitung, drei Einheiten pro Woche
Dieser Plan bringt dich von „unsportlich, aber gesund“ sicher über die Mindestwerte. Wenn du schon regelmäßig Sport treibst, überspringe die ersten zwei Wochen.
| Woche | A — Ausdauer | B — Kraft | C — Tempo |
|---|---|---|---|
| 1–2 | 20 min lockeres Laufen, Gehpausen erlaubt | 3 × 8 Liegestütze, 3 × 20 s Hängen an der Stange, 3 × 30 s Unterarmstütz | 6 × 30 s zügig, dazwischen 60 s gehen |
| 3–4 | 25 min durchlaufen ohne Pause | 3 × 12 Liegestütze, 3 × 30 s Hängen, 3 × 45 s Unterarmstütz, 3 × 10 Kniebeugen | 8 × 30 s zügig, 60 s Trabpause |
| 5–6 | 30 min lockerer Dauerlauf | 4 × 12 Liegestütze, 4 × 40 s Klimmhang, 3 × 60 s Unterarmstütz, 3 × 15 Kniebeugen | Pendellauf üben: 5 × 11 × 10 m, volle Erholung dazwischen |
| 7–8 | 1.000 m auf Zeit, dann 20 min locker aus | 4 × 15 Liegestütze, 4 × 50 s Klimmhang, Klimmzug-Negativen | Kompletter Testdurchlauf unter Bedingungen |
Die drei Übungen konkret trainieren
- Klimmhang: An eine Stange hängen, Kinn hochziehen, halten. Wenn du das noch nicht schaffst, stell dich auf einen Stuhl, spring in die Endposition und halte so lange wie möglich („Negativwiederholungen“). Zwei- bis dreimal pro Woche, das steigt schnell.
- Pendellauf: Die Zeit geht nicht im Sprint verloren, sondern in den Wendepunkten. Übe kurz abbremsen, tief in die Knie, explosiv abdrücken.
- 1.000 Meter: Nicht zu schnell starten. Die ersten 300 Meter fühlen sich leicht an — genau da verlieren die meisten das Rennen.
Bitte vernünftig
Wenn du seit Jahren keinen Sport gemacht hast, Vorerkrankungen hast oder deutlich übergewichtig bist: erst zum Hausarzt, dann loslegen. Und steigere langsam. Eine Sehnenreizung acht Wochen vor dem Termin ist ärgerlicher als eine mittelmäßige Zeit.
Was du verdienst
Das ist der Punkt, an dem der neue Wehrdienst sich am stärksten vom alten unterscheidet — und der Grund, warum sich die Rechnung für viele lohnt.
Der monatliche Betrag
Freiwillig Wehrdienstleistende erhalten einen monatlichen Pauschalbetrag von mindestens 2.600 Euro brutto. Wer sich für zwölf Monate oder länger verpflichtet, wird Soldatin oder Soldat auf Zeit und wird nach dem Bundesbesoldungsgesetz bezahlt — dann liegt der Einstieg bei etwa 2.700 Euro brutto und steigt mit jeder Beförderung.
Warum das Netto überraschend hoch ist
Ein ziviler Angestellter mit 2.600 Euro brutto behält je nach Steuerklasse grob 1.750 bis 1.850 Euro. Bei dir sieht die Rechnung anders aus: Vom Brutto gehen nur Lohnsteuer, Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer ab. Rentenversicherung, Arbeitslosenversicherung, Krankenkasse und Pflegeversicherung entfallen — die medizinische Versorgung läuft über die unentgeltliche truppenärztliche Versorgung.
Das macht bei diesem Bruttobetrag grob 400 bis 500 Euro Unterschied im Monat gegenüber einem zivilen Job mit gleichem Brutto.
Dein Betrag, auf den Cent
Pauschalen helfen nur begrenzt: Steuerklasse, Kirchensteuer, Kinder und Dienstgrad verschieben das Ergebnis spürbar. Mit dem Besoldungsrechner rechnest du dein persönliches Netto in unter einer Minute aus — kostenlos, ohne Anmeldung, mit dem amtlichen Programmablaufplan zur Lohnsteuer 2026.
Was zusätzlich dazukommt
| Leistung | Was du bekommst |
|---|---|
| Unterkunft | Stube in der Kaserne, kostenfrei |
| Verpflegung | Truppenküche, rund 10 Euro Gegenwert pro Tag |
| Bekleidung und Ausrüstung | vollständig gestellt, keine Eigenbeteiligung |
| Ärztliche Versorgung | unentgeltliche truppenärztliche Versorgung statt Krankenkasse |
| Bahnfahren in Uniform | kostenlos |
| Führerscheinzuschuss | bis 3.500 € für Klasse B, bis 5.000 € für Klasse C/C1 |
| Sport im Dienst | Trainingszeit ist Dienstzeit |
Der Führerscheinzuschuss im Detail
Das ist die wirtschaftlich interessanteste Einzelleistung — und sie hat klare Bedingungen:
- Du musst mindestens zwölf Monate Dienst leisten. Für einen sechsmonatigen Wehrdienst gibt es ihn also nicht.
- Der Diensteintritt muss nach dem 1. Januar 2026 liegen.
- Es zählt nur der Ersterwerb. Wiedererteilung nach Entzug oder Verlängerung sind ausgeschlossen, Motorrad (Klasse A) ebenfalls.
- Erstattet werden die tatsächlichen, nachgewiesenen Kosten bis zur Höchstgrenze — inklusive Erste-Hilfe-Kurs, Sehtest und Prüfungsgebühren. Was darüber liegt, zahlst du selbst.
- Die Fahrschule darf bis zu zwölf Monate vor Diensteintritt begonnen und bis zwölf Monate (Pkw) beziehungsweise 36 Monate (Lkw) nach Dienstende abgeschlossen worden sein.
- Ausgezahlt wird erst nach bestandener Prüfung, kein Vorschuss. Der Zuschuss ist steuerfrei.
- Anträge sind frühestens ab dem 1. Januar 2027 möglich; das Formular soll im Herbst 2026 bereitstehen.
Kurz gerechnet
Ein Lkw-Führerschein kostet privat schnell 4.000 bis 8.000 Euro. Wer zwölf Monate dient, bekommt bis zu 5.000 Euro davon erstattet — zusätzlich zu rund 32.000 Euro Brutto-Bezügen bei freier Kost und Logis. Für den Übergang zwischen Schule und Ausbildung ist das eine ungewöhnlich gute Bilanz.
Grundausbildung
Drei Monate, in denen aus einer Gruppe Zivilisten eine Einheit wird. Sie ist anstrengend, aber sie ist kein Geheimnis — hier steht, was kommt.
Wie der Wehrdienst insgesamt aufgebaut ist
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Monat 1–3
Allgemeine Grundausbildung
Formaldienst, Waffenhandhabung und Schießausbildung, Sanitätsgrundlagen, Kartenkunde und Orientierung, Sport, ABC-Selbstschutz, humanitäres Völkerrecht und Innere Führung. Am Ende steht ein Gelöbnis.
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Monat 4–6
Spezialgrundausbildung Heimatschutz
Wach- und Sicherungsaufgaben, Objektschutz, Sperren errichten, Drohnenabwehr, Zusammenarbeit mit zivilen Kräften. Nach sechs Monaten bist du für Heimatschutzaufgaben einsetzbar.
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Monat 7–11
Verwendung in der Truppe
Dienst in deiner Einheit, Übungen, gegebenenfalls Fachverwendungen.
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Ab Monat 12
Entscheidung
Entweder Entlassung in die Reserve — oder Übernahme als Soldatin beziehungsweise Soldat auf Zeit mit voller Besoldung, Laufbahn und Führerscheinzuschuss.
Der erste Tag
Du meldest dich am Einberufungstermin am Standort. Es folgen Anmeldung, Stubeneinteilung, Ausgabe der Bekleidung und Ausrüstung („Einkleidung“), die ersten Formalitäten und eine Belehrung. Rechne mit viel Warten und wenig Information — das ist normal und legt sich.
Was in der ersten Woche wirklich hilft
- Pünktlich heißt fünf Minuten vorher. Die verlässlichste Methode, nicht aufzufallen.
- Nicht als Einzelner glänzen wollen. Bewertet wird die Gruppe. Wer den Langsamsten unterstützt, kommt besser durch als der Schnellste.
- Blasenpflaster und zwei Paar eingelaufene Sportschuhe. Die häufigste vermeidbare Ausfallursache in Woche eins sind die Füße.
- Fragen stellen. Ausbilder erwarten Nachfragen. Was sie nicht mögen, ist ein Fehler, der aus einer nicht gestellten Frage entsteht.
Packliste
Uniform, Stiefel und Ausrüstung bekommst du gestellt. Das hier bringst du selbst mit:
Unterlagen und Geld
- Einberufungsbescheid
- Personalausweis
- Bankkarte und etwas Bargeld
- Impfpass
- Allergiepass
- Zahnärztliche Unterlagen
- Führerschein, falls vorhanden
- Krankenkassenkarte
Hygiene und Gesundheit
- Duschgel, Shampoo
- Zahnbürste, Zahnpasta
- Deo, Hautcreme
- Rasierer und Rasierschaum
- Persönliche Medikamente
- Blasenpflaster
- Handtücher, Badelatschen
- Hygieneartikel
Textil und Ausstattung
- Unterwäsche und Socken für 2–3 Wochen
- Sportkleidung, eingelaufene Laufschuhe
- Zivile Kleidung für die Freizeit
- Fünf Vorhängeschlösser für den Spind
- Wecker (unabhängig vom Handy)
- Taschenlampe
- Handy mit Ladekabel, Mehrfachsteckdose
- Handwaschmittel, Nähzeug
- Schuhputzzeug
- Snacks und Getränke
- Ohrstöpsel
- Etwas zu lesen
Was du nicht mitnimmst
Waffen jeder Art einschließlich größerer Messer, Alkohol, Drogen, Wertgegenstände, Laptops und Spielekonsolen (Diebstahlrisiko, wenig Zeit), politische oder extremistische Symbole. Was verboten ist, steht auch im Einberufungsbescheid — lies ihn wirklich.
Wie ein Tag in der Grundausbildung aussieht
Der Ablauf unterscheidet sich je nach Standort und Ausbildungsabschnitt. Als grobe Orientierung — so ungefähr ist der Rhythmus:
| Uhrzeit | Was passiert |
|---|---|
| ca. 05:30 | Wecken, Waschen, Stube und Spind in Ordnung bringen |
| ca. 06:15 | Frühstück in der Truppenküche |
| ca. 07:00 | Antreten, Appell, Tagesbefehl, Kontrolle von Anzug und Ausrüstung |
| 07:30–12:00 | Ausbildungsblock: Formaldienst, Waffenausbildung, Sanitätsdienst, Gefechtsdienst oder Unterricht |
| ca. 12:00 | Mittagessen |
| 13:00–16:30 | Zweiter Ausbildungsblock, häufig Sport oder praktische Ausbildung im Gelände |
| ab ca. 17:00 | Materialpflege, Waffenreinigung, Vorbereitung auf den nächsten Tag |
| Abend | Abendessen, Freizeit auf der Stube, Nachtruhe |
Dazu kommen unregelmäßig Nacht- und Geländeübungen, Wachdienste und Marschausbildung. Die ersten zwei bis drei Wochen fühlen sich am längsten an — danach greift die Routine, und der Tag geht schneller vorbei.
Was viele unterschätzt haben — und was überschätzt wird
- Unterschätzt: der Schlafmangel, das ständige Warten, die fehlende Privatsphäre und wie sehr eine schlecht sitzende Ausrüstungsschnalle nach acht Stunden nerven kann.
- Überschätzt: das Anschreien. Formaldienst ist laut, aber der Ton in der Ausbildung ist heute überwiegend sachlich. Wer den Eindruck hat, dass jemand die Grenze überschreitet, hat Rechte — siehe Kapitel 07.
Dienstgrade und Beförderung
Du beginnst als Schütze (Heer), Flieger (Luftwaffe) oder Matrose (Marine) — je nach Truppengattung heißt es auch Jäger, Kanonier, Panzerschütze oder Funker. Es ist derselbe Dienstgrad unter anderem Namen.
| Dienstgrad | Frühestens | Woran es hängt |
|---|---|---|
| Schütze / Flieger / Matrose | Tag 1 | Diensteintritt |
| Gefreiter | nach 3 Monaten | bestandene Grundausbildung |
| Obergefreiter | nach 6 Monaten | Bewährung und Dienstzeit |
| Hauptgefreiter | nach 12 Monaten | Bewährung und Dienstzeit |
| Stabsgefreiter, Oberstabsgefreiter | später | längere Verpflichtung nötig |
Beförderungen sind Kann-Entscheidungen: Die genannten Zeiten sind Mindestfristen, keine Ansprüche. Wie es in deiner Einheit tatsächlich gehandhabt wird, sagt dir dein Kompaniefeldwebel.
Was die nächste Beförderung bringt
Jeder Dienstgrad bedeutet eine andere Besoldungsgruppe und damit mehr Geld. Dafür gibt es hier zwei eigene Rechner: den Beförderungsrechner und den Erfahrungsstufen-Rechner.
Deine Rechte
Soldatin und Soldat zu sein heißt nicht, Grundrechte an der Wache abzugeben. Das Leitbild heißt „Staatsbürger in Uniform“ — und es ist einklagbar.
Wenn etwas nicht stimmt
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Die Vertrauensperson
In jeder Einheit wählen die Mannschaften eine Vertrauensperson aus ihren eigenen Reihen. Sie wird bei Fragen zu Dienstbetrieb, Fürsorge, Freizeit und Berufsförderung beteiligt und ist deine erste Anlaufstelle — unterhalb der Schwelle einer förmlichen Beschwerde.
-
Die Beschwerde
Gegen dienstliche Maßnahmen und gegen Verhalten von Vorgesetzten kannst du dich förmlich beschweren. Es gibt dafür ein geregeltes Verfahren mit Fristen. Niemand darf dir daraus einen Nachteil machen.
-
Der Wehrbeauftragte des Bundestages
Das ist der starke Hebel. Jede Soldatin und jeder Soldat darf sich unmittelbar und ohne Einhaltung des Dienstwegs an den Wehrbeauftragten wenden — ohne Vorgesetzte zu informieren, ohne Frist, ohne Nachteile. Der Wehrbeauftragte ist ein Organ des Parlaments, nicht der Bundeswehr.
Bei Schikane, Rassismus oder Extremismus
Nichts davon gehört zum Dienst, nichts davon musst du aushalten, und nichts davon ist „Ausbildung“. Dokumentiere Vorfälle schriftlich mit Datum, Uhrzeit und Zeugen. Anlaufstellen: Vertrauensperson, Disziplinarvorgesetzter, Militärseelsorge, Sozialdienst der Bundeswehr, Wehrbeauftragter. Es gibt Wege, die nicht über deine unmittelbaren Vorgesetzten führen.
Wenn du wieder aussteigen willst
Der freiwillige Wehrdienst kennt eine Probezeit. In dieser Zeit kann das Dienstverhältnis vergleichsweise unkompliziert beendet werden — zum 15. oder zum letzten Tag eines Monats, mit einer Ankündigungsfrist von rund zwei Wochen. Auch danach ist eine Entlassung auf eigenen Antrag möglich, dann mit längerer Vorlaufzeit.
Du sitzt also nicht fest. Wichtig ist nur: Ein schriftlicher Antrag ist der richtige Weg, unentschuldigtes Fernbleiben ist es nicht — das ist ein Dienstvergehen mit echten Folgen.
Erholungsurlaub
Auch im Wehrdienst gibt es Erholungsurlaub; die Zahl der Tage richtet sich nach der Dauer deiner Verpflichtung und wird dir bei Dienstantritt mitgeteilt. Dazu kommen Sonderurlaubstatbestände etwa für Prüfungen, Umzug oder Todesfälle in der Familie.
Kriegsdienstverweigerung
Das Recht, den Kriegsdienst mit der Waffe aus Gewissensgründen zu verweigern, steht in Artikel 4 Absatz 3 Grundgesetz. Es gilt vorbehaltlos — vor, während und nach dem Dienst.
- Der Antrag wird schriftlich gestellt und muss die Gewissensgründe ausführlich und persönlich darlegen. Eine allgemeine politische Ablehnung von Krieg reicht nicht; es geht um deine individuelle Gewissensentscheidung.
- Zuständig ist das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA).
- Von der Musterung befreit dich der Antrag nicht. Auch anerkannte Verweigerer müssen zur Musterung erscheinen.
- Es gibt Beratungsstellen, die kostenlos beim Antrag helfen — unter anderem bei Kirchen, Gewerkschaften und der Zentralstelle KDV.
Dein ziviler Arbeitsplatz
Das Arbeitsplatzschutzgesetz schützt dein Arbeits- oder Ausbildungsverhältnis: Es ruht während des Wehrdienstes, statt zu enden, und du hast Kündigungsschutz. Sprich trotzdem frühzeitig mit deinem Arbeitgeber oder Ausbildungsbetrieb — planbar ist für beide Seiten besser.
Und was von dir erwartet wird
| Pflicht | Was das praktisch heißt |
|---|---|
| Gehorsam | Befehle sind zu befolgen — aber nicht blind. Ein Befehl, der eine Straftat verlangt oder die Menschenwürde verletzt, darf und muss verweigert werden. |
| Kameradschaft | Gegenseitige Rücksicht und Hilfe. Mobbing und Ausgrenzung sind ausdrücklich Verstöße gegen diese Pflicht, keine Randerscheinung. |
| Verschwiegenheit | Über dienstliche Vorgänge wird nicht öffentlich gesprochen. Fotos und Videos in militärischen Einrichtungen brauchen eine Genehmigung. |
| Treue zur Verfassung | Das Grundgesetz ist der Maßstab. Extremistische Betätigung führt zur Entlassung — dafür gibt es eine Sicherheitsüberprüfung. |
„Staatsbürger in Uniform“ — was damit gemeint ist
Du behältst deine Meinung, dein Wahlrecht und deine Grundrechte. Politisch äußern darfst du dich; was nicht geht, ist Parteiwerbung in Uniform oder in dienstlichen Räumen. Private Konten in sozialen Netzwerken müssen erkennbar privat sein und dürfen nicht wie ein offizieller Auftritt der Bundeswehr wirken.
Und danach?
Der Wehrdienst endet — die Verbindung zur Bundeswehr nicht unbedingt. Du hast danach drei realistische Wege.
Weg 1: Zurück ins zivile Leben, mit Reservistenstatus
Wer eine militärische Ausbildung absolviert hat und ehrenhaft ausscheidet, ist automatisch Reservistin oder Reservist. Das ist zunächst nur ein Status, keine laufende Verpflichtung. Du kannst dich freiwillig zu Reserveübungen melden — viele tun das, weil es bezahlt wird, die Kameradschaft bleibt und Übungen gut planbar sind.
Weg 2: Soldatin oder Soldat auf Zeit
Ab zwölf Monaten Verpflichtung wechselst du in den Status Soldat auf Zeit. Damit ändert sich einiges:
- Besoldung nach dem Bundesbesoldungsgesetz statt Pauschalbetrag — inklusive Familienzuschlag, Zulagen und Stufenaufstieg
- Anspruch auf den Führerscheinzuschuss
- Zugang zu Fachverwendungen, Lehrgängen und Laufbahnaufstiegen
- Berufsförderung nach dem Dienst, teils inklusive Studium oder Meisterausbildung bei fortlaufenden Bezügen
- Verpflichtungszeiten bis zu 25 Jahren möglich
Weg 3: Ausbildung oder Studium, mit Bundeswehr-Rückenwind
Der Berufsförderungsdienst (BFD) unterstützt beim Übergang in den zivilen Arbeitsmarkt: Beratung, Fachausbildungen, Umschulungen, Weiterbildungen. Der Umfang der Ansprüche hängt an der Dauer deiner Dienstzeit — wer nur wenige Monate dient, bekommt deutlich weniger als ein Soldat auf Zeit. Lass dich früh beraten, nicht erst im letzten Dienstmonat.
6, 12 oder mehr Monate — was jeweils dazukommt
| Was du bekommst | 6–11 Monate | ab 12 Monaten |
|---|---|---|
| Monatlicher Betrag | ab 2.600 € brutto | ab 2.700 € brutto |
| Freie Unterkunft und Verpflegung | ja | ja |
| Truppenärztliche Versorgung | ja | ja |
| Ausbildung zum Heimatschutz | ja | ja |
| Führerscheinzuschuss | nein | bis 5.000 € |
| Besoldung nach BBesG mit Zulagen | nein | ja |
| Familienzuschlag | nein | ja |
| Fachverwendungen und Lehrgänge | begrenzt | ja |
| Berufsförderungsdienst | eingeschränkt | voller Umfang |
| Reservistenstatus danach | ja | ja |
Was im Lebenslauf tatsächlich zählt
Personalverantwortliche lesen aus einem Wehrdienst vor allem drei Dinge heraus: Belastbarkeit unter Zeitdruck, Zuverlässigkeit und Teamfähigkeit in einer Gruppe, die man sich nicht ausgesucht hat. Dazu kommen handfeste Qualifikationen — Führerscheinklassen, Sanitätsausbildung, Funk- und Technikausbildung, in manchen Verwendungen auch IT- und Cyber-Grundlagen. Notiere dir während des Dienstes jeden Lehrgang mit Datum. Am Ende hast du daraus eine Seite Lebenslauf statt einer vagen Erinnerung.
Und finanziell?
Der Wehrdienst kann sich auch später noch auszahlen. Zeiten des Wehrdienstes und bestimmte Vordienstzeiten können bei einem späteren Dienstverhältnis auf die Erfahrungsstufe angerechnet werden — das bedeutet eine höhere Einstufung und damit mehr Geld ab dem ersten Tag. Wie viel genau, hängt vom Einzelfall ab; die Regelungen dazu stehen im Bundesbesoldungsgesetz.
Rechne es durch, bevor du entscheidest
Ob sich die Verlängerung auf zwölf Monate lohnt, ist am Ende eine Rechenaufgabe: Sold-Differenz, Führerscheinzuschuss, Erfahrungsstufe, Berufsförderung. Alle drei Rechner — Besoldung, Erfahrungsstufe und Beförderung — sind kostenlos und brauchen keine Anmeldung.
Für Eltern und Angehörige
Dieser Abschnitt ist zum Weitergeben gedacht.
Wenn im Briefkasten ein amtliches Schreiben zum Wehrdienst liegt, ist der erste Impuls oft Sorge. Diese vier Punkte ordnen die Lage:
- Der Fragebogen ist keine Einberufung. Er erfasst, wer grundsätzlich infrage käme. Ihn auszufüllen verpflichtet zu nichts weiter.
- Der Dienst ist freiwillig. Auch nach bestandener Musterung entscheidet allein Ihr Kind, ob es sich verpflichtet — und für wie lange.
- Der Schwerpunkt liegt im Inland. Der neue Wehrdienst ist auf Heimatschutz ausgerichtet: Wach- und Sicherungsaufgaben, meist in der Region. Zu einem Auslandseinsatz kann in den ersten zwölf Dienstmonaten niemand gegen seinen Willen herangezogen werden.
- Ein Ausstieg ist möglich. In der Probezeit ist die Entlassung vergleichsweise unkompliziert, danach auf Antrag.
Wenn Sie Sorgen haben
Ansprechpartner gibt es unabhängig von der Truppe: die Militärseelsorge (evangelisch und katholisch, mit Seelsorgegeheimnis), den Sozialdienst der Bundeswehr und den Wehrbeauftragten des Bundestages. Ihr Kind darf sich an alle drei wenden, ohne den Dienstweg einzuhalten.
Was in der Grundausbildung realistisch ist
- Kontakt ist möglich, aber unregelmäßig — Handynutzung ist während Ausbildungsabschnitten und Übungen eingeschränkt.
- Die ersten zwei Wochen sind erfahrungsgemäß die härtesten. Wenn danach ein Anruf kommt, klingt es meistens deutlich anders.
- Heimfahrten am Wochenende sind in der Grundausbildung nicht durchgehend möglich, später in der Regel schon.
Häufige Fragen
Muss ich zur Bundeswehr?
Nein. Pflicht sind für Männer ab Jahrgang 2008 nur Fragebogen und — ab Juli 2027 — Musterung. Der Dienst selbst ist freiwillig.
Was passiert, wenn ich den Fragebogen ignoriere?
Nach der Frist kommt eine Mahnung per Einschreiben. Wer weiter nicht antwortet oder falsche Angaben macht, begeht eine Ordnungswidrigkeit; ein Bußgeld ist möglich.
Gilt das auch für Frauen?
Frauen bekommen den Fragebogen nicht verpflichtend, können ihn aber freiwillig ausfüllen und sich mustern lassen. Im Dienst gelten dieselben Bezüge, Laufbahnen und Aufstiegschancen.
Ich habe eine Brille — bin ich raus?
In aller Regel nicht. Eine Sehschwäche schließt nur bestimmte Verwendungen aus, etwa im fliegerischen Bereich.
Kann ich mir den Standort aussuchen?
Du kannst Wünsche zu Standort und Teilstreitkraft äußern; sie werden mit dem tatsächlichen Bedarf abgeglichen. Eine Garantie gibt es nicht, aber Wohnortnähe ist im neuen Wehrdienst ausdrücklich ein Ziel.
Werde ich ins Ausland geschickt?
In den ersten zwölf Dienstmonaten nur mit ausdrücklicher freiwilliger Zustimmung. Der Wehrdienst ist auf Heimatschutz im Inland ausgerichtet.
Was, wenn es mir nicht gefällt?
In der Probezeit kann das Dienstverhältnis vergleichsweise unkompliziert beendet werden, danach auf schriftlichen Antrag. Einfach fernbleiben ist keine Option — das ist ein Dienstvergehen.
Zahle ich Rentenbeiträge?
Nicht vom Sold. Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung werden nicht abgezogen; die medizinische Versorgung läuft über die truppenärztliche Versorgung. Deshalb liegt das Netto ungewöhnlich nah am Brutto.
Bekomme ich den Führerschein bezahlt?
Bezuschusst, ab zwölf Monaten Dienstzeit: bis 3.500 Euro für Klasse B, bis 5.000 Euro für Klasse C/C1. Für einen sechsmonatigen Wehrdienst gibt es ihn nicht.
Kann ich später Berufssoldat werden?
Ja. Der Wehrdienst ist ein üblicher Einstiegsweg: erst Wehrdienst, dann Soldat auf Zeit, dann bei Eignung Laufbahnwechsel oder Übernahme.
Ich habe Tattoos oder Piercings — ist das ein Problem?
Tattoos sind grundsätzlich kein Ausschlussgrund, solange sie keine verfassungsfeindlichen oder diskriminierenden Motive zeigen. Für sichtbare Stellen wie Gesicht und Hals gelten strengere Regeln. Piercings werden im Dienst in der Regel abgelegt.
Kann ich den Wehrdienst mit dem Studium verbinden?
Ja — der klassische Weg ist ein Wehrdienst zwischen Abitur und Studienbeginn. Wehrdienstzeiten werden bei der Studienplatzvergabe teilweise berücksichtigt; erkundige dich rechtzeitig bei der Hochschule. Für ein Studium innerhalb der Bundeswehr brauchst du eine Offizierlaufbahn und eine deutlich längere Verpflichtung.
Ich habe einen Eintrag im Führungszeugnis.
Kommt auf die Tat an. Es findet eine Sicherheitsüberprüfung statt. Jugendsünden führen nicht automatisch zum Ausschluss — Delikte mit extremistischem, gewaltbezogenem oder Betäubungsmittel-Hintergrund sind problematisch. Verschweigen ist der sicherste Weg zur Ablehnung.
Was ist mit meiner Wohnung und meinen Verträgen?
Die laufen weiter — der Wehrdienst begründet kein Sonderkündigungsrecht. Weil Unterkunft und Verpflegung gestellt werden, bleibt vom Sold allerdings ungewöhnlich viel übrig, um sie zu bedienen. Wer für den Dienst umzieht, kann je nach Konstellation Umzugskosten- oder Trennungsgeldleistungen erhalten; frage im Karrierecenter konkret danach.
Adressen und Quellen
Offizielle Anlaufstellen
| Wofür | Kontakt |
|---|---|
| Fragebogen ausfüllen, Infos zum Wehrdienst | deinwehrdienst.de |
| Hotline zum neuen Wehrdienst, kostenfrei | 0800 9903300 |
| Karriereberatung, Musterung, Bewerbung | bundeswehrkarriere.de |
| Karriereberatung, kostenfreie Hotline | 0800 9800880 |
| Allgemeine Auskunft des Verteidigungsministeriums | +49 30 1824-24242 · info@bundeswehr.org |
| Kriegsdienstverweigerung, Antrag | Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) |
| Beschwerde ohne Dienstweg | Wehrbeauftragter des Deutschen Bundestages |
Nur amtliche Wege nutzen
Es kursieren Seiten, die Musterungsvorbereitung, Fragebogenhilfe oder „Tauglichkeitsberatung“ gegen Geld anbieten. Nichts davon ist nötig. Alle verbindlichen Schritte laufen über deinwehrdienst.de und dein Karrierecenter — kostenlos. Gib deinen Zugangscode aus dem Fragebogen-Brief an niemanden weiter.
Woher die Angaben stammen
- Bundesministerium der Verteidigung — Informationen zum Neuen Wehrdienst
- Bundeswehr — Seiten zu Wehrdienst, Fragebogen, Musterung, Einberufung, Führerscheinzuschuss und Besoldung
- Bundesregierung — Fragen und Antworten zum Neuen Wehrdienst
- Wehrdienst-Modernisierungsgesetz, in Kraft seit 1. Januar 2026, sowie die damit geänderten Gesetze (Wehrpflichtgesetz, Soldatengesetz, Wehrsoldgesetz, Arbeitsplatzschutzgesetz, Kriegsdienstverweigerungsgesetz)
- Bundesbesoldungsgesetz für alle Angaben zur Besoldung von Soldatinnen und Soldaten auf Zeit
Ein Hinweis zur Ehrlichkeit
Der neue Wehrdienst ist wenige Monate alt. Manche Details — etwa die genaue Höhe einzelner Zuschläge oder die Beförderungspraxis — sind noch in Bewegung. Wo etwas noch nicht abschließend geregelt ist, steht das ausdrücklich dabei, statt eine Zahl zu erfinden. Verbindlich ist immer die Auskunft deines Karrierecenters.
Stand: August 2026. Dieses Handbuch ist eine allgemeine Orientierungshilfe und ersetzt keine Rechtsberatung. Verbindlich sind die jeweils geltenden Gesetze und die Auskunft deines Karrierecenters. Beträge und Fristen können sich ändern.
Alles gelesen? Nimm es mit.
Das komplette Handbuch als PDF — 26 Seiten zum Ausdrucken, Abhaken und Weitergeben. Trag deine E-Mail ein, bestätige den Link, fertig.